Oxford? Derby? Full-Brogue, Half-Brogue, Longwing - wo ist da der Unterschied?

Schuhe werden Vielerart gestaltet und verziert. Wir geben Ihnen hier einen kleinen Überblick, damit sie den Durchblick beim Thema Schuhbezeichnung nicht verlieren. Aller Anfang ist nicht leicht, aber wir machen Mut - hinter der Sache steckt System. Los gehts!


Vorneweg: Schnürschuhe gibt es in zwei grundsätzlichen Ausführungen.


Der Oxford

sieht geschlossener aus, wirkt eleganter und ist eines der berühmtesten und feinsten Herrenschuhmodelle. Verdankt seine Namensgebung im Ursprung dem Studentenmilieu der Universitätsstadt Oxford, welches mit dieser Art des Schuhwerks im 19. Jahrhundert gegen die gängige Mode der Stiefel aufbegehrt haben soll.

Die geschlossene Schnürung macht ihn gerade in der schlichten und schmucklosen Variante (als Whole Cut oder Oxford - Plain) zu einem eher konservativen, aber zeitlosen Modell. Passt in Lackleder perfekt zum Smoking.

Der Oxford wird Parallelgeschnürt (Siehe hier:)

Der Derby

erkennt man am Derbybogen, die gebogene Form der Quartierunterseite, welche in die offene Schnürung mündet. Erlaubt das bequeme An- und Ausziehen. Benannt nach seinem Namensgeber, einem Graf von Derby, der wegen seines kräftigen Fußes einen Schuh verlangt haben soll, der ihm den Einstieg erleichtert.

Ein sehr bekannter Vertreter des Derbys ist der Budapester.

Der Derby wird Kreuzgeschnürt (Siehe hier:)



Zur Vorgehensweise: Sinnvollerweise beginnt man zuerst in der Einteilung mit dem Aufbau des Schaftes. Der Schaft beschreibt das Oberteil des Schuhes. Schaft und Sohle plus Absatz ergeben den ganzen Schuh.

Anschließend widmen wir uns der Lochverzierung als markantes Gestaltungsmerkmal weiter unten.


Beginnen wir mit dem puren Schuh "ohne Alles".

In der Oxford Ausführung.

 

Bezeichnung: "Whole Cut" oder "Dolomit".

 

Sieht einfach aus, ist aber in der Herstellung schwieriger zu realisieren. Stellt außerdem deutlich mehr Anforderungen an ein gleichmäßig excellentes Lederstück.

Understatement pur. Wird auch gerne "farbig geputzt".

 

 

 

 

In der Derby Ausführung.

 

Bezeichnung: "Blucher".

 

 

Der Blücherschnitt ist Grundlage für den Norweger. Ein vernähter Blatteinsatz auf dem Fußrücken sowie einer senkrechten Naht an der Schuhspitze.

 

Bezeichnung: "Norweger".

 


 

 

 

Der Klassiker, gefertigt aus 3 Teilen. Keine Verzierungen.

In der Oxford Ausführung.

 

Bezeichnung: "Oxford - Plain".

 

 

 

Seltene "Edwardian Style" Ausführung.

 

Bezeichnung: "Oxford - Plain - Galosh".

 

 

 

 

In der Derby Ausführung.

 

Bezeichnung: "Derby - Plain".


 

 

 

Mit Vorderkappe.

In der Oxford Ausführung. Lediglich mit einer Naht versehen auch als "Stich Cap" bezeichnet.

 

Bezeichnung: "Oxford - Plain - Captoe".

 

Eine 2-farbige Vintage-Variante des Oxford, die als "Saddle Shoe" bezeichnet wird.

 


 

 

 

Mit Vorderkappe.

In der Derby Ausführung.

 

Bezeichnung: "Derby - Plain - Captoe".


#sprungmarke

Soweit alles klar? Dann können wir uns den Lochverzierungsvarianten zuwenden.

Die Verzierungen am Schuh:

Die Lochverzierungen am Schuh wird mit "Brogue" bezeichnet. Ursprünglich als Schuh der einfachen Landbevölkerung, diente diese Perforation in früheren Zeiten dazu eingedrungenes Wasser wieder ablaufen und den Schuh schneller trocknen zu lassen.

Mit zunehmender gesellschaftlicher Akzeptanz der Lochverzierung, wandelte sich die ursprüngliche Funktion nach und nach zu einem nicht mehr komplett durchlochten, sondern stattdessen aufgesetzten und damit rein dekorativen Gestaltungselement, wie wir es heute kennen.

Die Lochmusterreihe (Lyralochung)

Eine Reihe von einem 3 mm großen, und jeweils zwei 1 mm großen, übereinander gesetzten Löchern, die sich abwechseln. Dieses Muster variiert in der Regel nur in der Lochgröße, seltener in der Lochform.

Das Vorderkappenmuster

gibt es in diversen Ausführungen einer ornamental gestalteten Lochlinienverzierung, der so genannten Rosette. Spezialisten können daran teilweise die Marke oder den Schuhmacher erkennen.



 

 

Ein Vorderkappenmuster ziert diesen sehr eleganten Schuh und bekommt durch dessen Zurückhaltung einen besonderen Auftritt.

 

Bezeichnung: "Whole Cut - Brogue".

 

 

 

Eine Lyralochung entlang der Vorderkappennaht, als dezente Verzierung, zeichnet den Quarterbrogue aus. Ein gelungener Kompromiss für alle, die feine Akzente bevorzugen. Die Lochung an der "Cap" wird auch als "Punch Cap" bezeichnet.

 

Bezeichnung: "Oxford - Quarterbrogue" oder auch "Oxford - Punch Cap" .

 

Ein Halfbrogue oder Semibrogue besitzt eine gerade aufgesetzte Vorderkappe, die an ihrer zur Schnürung gerichteten Kante mit einer Lyralochung versehen ist, als auch auf dem vorderen Schuhbereich mit einem Sternmuster versehen ist.

 

Bezeichnung: "Oxford - Halfbrogue/Semibrogue".

 

Charakteristisch beim Fullbrogue ist eine herzförmige Flügelkappe die bis zu der Schaftseiten reicht. An den Kanten befindet sich ebenfalls ein Lochmuster sowie eine Lyralochung im vorderen Bereich. Typisch für Fullbrogues ist eine aufgesetzte Fersenkappe.

 

Bezeichnung: "Oxford - Fullbrogue".

 

 

Eine 2-farbige Vintage-Variante des Fullbroque, die als "Spectator" bezeichnet wird.

 


 

Wird gerne mit dem "normalen" Derby - Fullbrogue ver- wechselt: Ein Derby Fullbrogue in Budapester Ausführung. Typisch für den Budapester die hohe "ausgeworfene" breit gerundete Schuhspitze. Zwiegenäht und mit doppelter Sohle.

 

Bezeichnung: "Fullbrogue - Budapester".

Ein weiterer Derby Fullbrogue Vintage-Tanzschuh. 2-farbig mit Carre-Spitze.

Bezeichnung: "Caster".

 


Kennzeichnend für den Longwing ist eine Flügelkappe, deren Ausläufer (die Flügel) bis nach hinten an die Fersennaht reichen. Ansonsten gelten die Merkmale des Fullbrogues. Ein Longwing ist immer als Derby ausgeführt. Er wirkt überaus sportlich und gilt in erster Linie als passender Begleiter zur Freizeitkleidung.

 

Bezeichnung: "Longwing".

 


Die Doppelnaht Foto © Crockett & Jones

Gut zu wissen:
Kreativität kennt keine Grenzen. Die hier vorgestellten Varianten sollen nur eine schematische Einteilung vermitteln. Tatsächlich existieren unzählige Abwandlungen in Detail und Proportion in der Welt der Schuhe und gerade diese Tatsache macht auch den "klassischen" Herrenschuh so vielfältig und spannend.


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Kommentare: 2
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    Roger Gruner (Donnerstag, 02 Februar 2017 14:56)


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    Vielen Dank für die Übersicht! Das habe ich in dieser Präzision und so pointiert noch nicht gesehen!